17. August 2012

Internet der Dinge

Chancen vernetzter Geräte

Das ‚Internet der Dinge‘ oder ‚Internet of Things‘ beschreibt, wie sich intelligente Geräte und zahlreiche physische Komponenten so über das Internet vernetzen lassen, dass diese Endpunkte Daten generieren und austauschen können. Nahezu jedes dieser intelligenten Produkte wird künftig eine IP-Adresse und Kommunikationsfunktionen besitzen.
Bislang verfügen Netzwerk- und Kommunikationsgeräte über Kommunikationsfunktionen, doch Anwender stellen diese Anforderungen zunehmend auch an industrielle Geräte und Einrichtungen wie Gebäude, medizinische Geräte, Prüf- und Messsysteme oder Baumaschinen. Künftig werden diese Geräte und Vorrichtungen also über das Web mit anderen Geräten und Diensten verbunden sein. So erwartet das Marktforschungsunternehmen Gartner, dass bis zum Jahr 2020 mehr als 30 Milliarden Geräte ständig online sind und mehr als 200 Milliarden Geräte zeitweilig Verbindungen zum Internet herstellen. Für Hersteller gilt, ihre Produkte weiterzuentwickeln und isolierte Systeme mit fest kodierten Funktionen durch flexible Geräte zu ersetzen, die sich nahtlos vernetzen lassen.

Längere Produktlebensdauer

Ein Großteil der Funktionen dieser Geräte steuert künftig Embedded Software: Produkt-Upgrades erfolgen mithilfe von Softwarebefehlen, die Hersteller über das Internet an das Gerät übermitteln. Damit steigt der Wert des gekauften Produkts, da Nutzer es über einen längeren Zeitraum und ohne größere Beeinträchtigungen nutzen können. Herstellern gestattet der Online-Zugriff mehr Möglichkeiten für den Verkauf zusätzlicher oder ergänzender Produkte und Funktionen. Zudem können Anbieter Kunden kostengünstig und mit minimalem Aufwand neue Funktionen bereitstellen.

Automatisierter Service und Support

Durch das Internet der Dinge können Gerätehersteller ihren Kunden ein deutlich besseres Serviceerlebnis bieten – und zwar zu deutlich geringeren Kosten: Die entsprechenden Produkte können nicht nur ihre Betriebsfunktionen selbst überwachen, sondern auch Störungen an den Hersteller übermitteln. Damit gestaltet sich der Prozess der Fehlersuche und -diagnose wesentlich effizienter. Potenzielle Probleme lassen sich schon im Vorfeld erkennen, wenn Anbieter das System nach Anzeichen beobachten, die auf ein Problem hindeuten. Künftig lassen sich viele dieser Probleme aus der Ferne über Softwarebefehle, Software-Fixes oder Upgrades beheben.

Niedrigere Produktions- und Distributionskosten

Vernetzte – von Embedded Software gesteuerte- Geräte tragen zudem zu einer deutlichen Reduzierung der Produktionskosten bei: Unternehmen können die Anzahl der zu produzierenden Modelle reduzieren, indem die Leistungsmerkmale, Funktionen, Kapazitäten und Durchsatzleistungen der Geräte, die über Software gesteuert werden, sowie Funktionen des Geräts in einer beliebigen Anzahl von Formaten gebündelt werden. Als Folge dieser flexiblen Produktionsmöglichkeiten lassen sich sowohl für Hersteller als auch für Distributoren und Händler Lagerbestände enorm reduzieren.

Neue Märkte und Einnahmequellen

Das Internet der Dinge bietet auch Möglichkeiten zum Ausbau der Kundenbasis: Durch die Verwendung eines Software-Lizenzierungsmodells sind Hersteller in der Lage, Anwendern über Software-Updates Produktverbesserungen anzubieten und die entsprechenden Funktionserweiterungen auf der Grundlage eines softwarebasierten Wartungs- und Update-Modells abzurechnen. Zudem erhalten sie die Möglichkeit, Anwendern differenzierte Support-Leistungen mit unterschiedlichem Umfang anzubieten. Und da Embedded Software die Voraussetzungen für flexible Produktkonfigurationen schafft, können Hersteller ihre Geräte schnell, einfach und kostengünstig zusammenstellen und entsprechende Preise festlegen. Damit lassen sich neue Marktfelder, junge Wachstumsmärkte oder Marktnischen erschließen, die bisher als unpraktisch oder unwirtschaftlich galten. Die zusätzlichen Daten, die sich von intelligenten vernetzten Geräten generieren lassen, können zudem als Informationsgrundlage genutzt werden, um potenzielle neue Märkte und Marktchancen auszuloten.

Gezieltes Management von Lizenzen und Berechtigungen

Der Schlüssel für die sinnvolle Nutzung einer allgegenwärtigen Internetumgebung bietet Lizenz- und Berechtigungsmanagement-Software. Durch die Einbettung entsprechender Software können Hersteller ihre Produkte personalisieren, ohne mehrere Modelle eines Produkts herstellen zu müssen. Über einfache Änderungen an der Embedded Software des Geräts können Hersteller die Verhaltensweise des Geräts steuern und das Produkt an die individuellen Anforderungen des Kunden anpassen. Gegen Entgelt aktivieren oder deaktivieren Hersteller beispielsweise Leistungsmerkmale. Bereits jetzt bietet der Markt ausgeklügelte embedded Lizenz- und Berechtigungsmanagement-Lösungen mit denen Hersteller intelligenter Geräte ihren Produktentwicklungsansatz und ihr Geschäftsmodell so gestalten können, dass sie den Anforderungen eines hart umkämpften und vernetzten Marktumfelds gerecht werden. Hierzu müssen Hersteller nicht nur wie Gerätehersteller denken und handeln, sondern auch Vorgehensweisen von Softwareunternehmen übernehmen. Entscheidend wird hier sein, bei Herstellung und Vertrieb von Hardware einen software-zentrischen Ansatz zu verfolgen. Beim Umstieg auf ein solches software-zentrisches Modell sollten Hersteller intelligenter Geräte bestimmte Punkte beachten: – Hersteller müssen sicherstellen, dass die Transformation von allen Beteiligten im Unternehmen unterstützt wird. Dies gilt für die Technik und das Produktmanagement, zugleich erfordert es zusätzlich eine Koordination zwischen den beteiligten Gruppen. – Das Unternehmen muss sich mit der herkömmlichen Software-Lizenzierungsmethodik und den bewährten Ansätzen auseinandersetzen, die sich im Umfeld der Produktion intelligenter Geräte nutzen lassen. – Aus der Vielzahl der zur Verfügung stehenden Optionen gilt es, die geeigneten Softwarelizenz-Compliance-Richtlinien und die entsprechenden Durchsetzungsmechanismen zu ermitteln. Für Ansätze in der Zukunft muss das Unternehmen die nötige Flexibilität einschätzen, um Änderungen vornehmen zu können, wenn sich das geschäftliche Umfeld des Unternehmens ändert. – Hersteller müssen die unterschiedlichen Lieferungs- und Bereitstellungsmechanismen von Hardware- und Softwareprodukten verstehen. Die Distributionsmechanismen sollten aufeinander abgestimmt sein, können aber auch spezifisch sein. – Unternehmen müssen den Wertschöpfungs-Lebenszyklus von Softwareprodukten verstehen – im Gegensatz zur einmaligen Transaktion beim Verkauf von Hardware. Bei Software geht es um einen fort laufenden Prozess, der immer mehr auf Abonnements basiert. – Zur Unterstützung des Wertschöpfungszyklus der Software müssen entsprechende Geschäftsprozesse geschaffen werden. – Unternehmen sollten ein Self-Service-Kundenportal einrichten. Dadurch lassen sich operative Kosten reduzieren und die Akzeptanz der Software beim Kunden erhöhen. – Unternehmen müssen eine Produktmanagement- und Vermarktungsstrategie definieren und umsetzen. – Vertriebstrainingsmaßnahmen müssen entwickelt und Provisionsregelungen festge legt werden. Schließlich geht es nicht um den Verkauf einer bestimmten Anzahl von Hardwareprodukten, sondern um den Verkauf eines Wertes. – Zur Optimierung von Umsätzen und Margen müssen Produktentwicklungs-, Lieferungs- und Ausführungsstrategie kontinuierlich weiterentwickelt und verbessert werden. Durch die Nutzung von Embedded Lizenz- und Berechtigungsmanagement-Software können Hersteller vernetzte Geräte entwickeln, mit denen neue Umsatzquellen erschlossen werden, geistiges Eigentum geschützt wird und die Voraussetzungen für eine auftragsspezifische Fertigung geschaffen werden. Dies trägt nicht nur zu einer deutlichen Reduzierung von Lagerbeständen bei, sondern liefert auch bessere Möglichkeiten, auf veränderte Marktbedingungen zu reagieren.

Änderungen auf Management- und Support-Ebenen

Entscheiden sich Hersteller für den Übergang zu vernetzten Geräten mit Embedded Software, müssen sie auch über die Management- und Support-Ebenen nachdenken, die mit diesem neuen Modell verbunden sind. Da gilt besonders dann, wenn Unternehmen Produkte an andere Unternehmen verkaufen. So möchte z.B. das IT-Team des einkaufenden Unternehmens möglicherweise die Kontrolle über bestimmte Prozesse erhalten. Hierfür sind einige Änderungen der Infrastruktur erforderlich wie der Anschluss des vernetzten Systems an ein IT Operations Management Center. Dieses dient dazu, Daten aus dem neuen System zu erfassen, zu filtern, zu analysieren und darauf zu reagieren.

Veränderung in jeder vertikalen Branche

Ganz gleich, wie die Gerätehersteller diese Strategien umsetzen, es steht außer Frage, dass das Internet der Dinge und die M2M-Konnektivität, möglich durch Embedded Software, Lizenzierung und Berechtigungsvergabe, Veränderungen darstellen, die jede vertikale Branche dauerhaft betreffen. Wie Gartner berichtet, erkennen Unternehmen bereits das Ausmaß der sich bietenden Gelegenheiten und entwickeln Strategien für diese Transformation. Dabei gilt es, u.a. Unterstützung von Experten und Vordenkern aus sämtlichen Bereichen des Unternehmens zu nutzen, die Hardwarefirmen helfen können, Denkweisen aus Softwareunternehmen zu etablieren.

Ausgabe:
www.flexerasoftware.com

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