Vorausschauende Planung

Obsolescencen lassen sich zwar nicht 100prozentig vermeiden, ihre Auswirkungen und Kosten können jedoch durch vorausschauende Planung und ein proaktives Management minimiert werden. „Deshalb gewinnt das Obsolescence-Management auch immer mehr an Bedeutung“, so Ermel. „Ein wirklich wirksames Obsolescence-Management ist zwar sehr komplex, da die gesamte interne und externe Prozesskette berücksichtigt werden muss. Obsolescence-Management sollte aber als Versicherung gegen Probleme gesehen werden, deren Kosten völlig unerheblich sind im Vergleich zu den Kosten, die entstehen, wenn eine Produktionsstraße wegen des Ausfalls einer Steuerungsanlage zum Stillstand kommt“. Zur Vermeidung unangenehmer Überraschungen durch Bauteile-Abkündigungen oder -Änderungen empfiehlt Ermel bereits in der Evaluierungsphase, also lange bevor ein Produkt final qualifiziert wird, mit dem Obsolescence-Prozess zu beginnen. “ Wer sich konsequent und von Anfang an mit der voraussichtlichen Verfügbarkeitsdauer der benötigten Komponenten und möglichen Alternativen auseinander setzt, kann mitunter sehr viel Geld sparen“. Nicht nur der nachträgliche Austausch einzelner Komponenten oder komplette Redesigns sind mit hohen Kostenrisiken verbunden. Im Extremfall kann durch den Austausch eine erneute Qualifikation der gesamten Applikation notwendig werden. Noch fataler kann sich Ermel zufolge die Beschaffung der benötigen Komponenten aus fragwürdigen Quellen erweisen.“Aus verständlichen Gründen gehen die meisten Betroffenen mit diesem Thema sehr zurückhaltend um. Fakt ist aber, dass gefälschte Bauelemente zu einem immer größeren Problem werden. Die Anzahl sogenannter Couterfeits, die illegal produziert und angeboten werden, nimmt immer mehr zu. Äußerlich sind die Fälschungen vom Original oftmals kaum zu unterscheiden, innerlich allerdings sehr wohl – nicht selten mit äußerst unangenehmen, teilweise sogar sehr ernsten Konsequenzen, wenn der Baustein beispielsweise bereits verbaut ist, bevor der Betrug bemerkt wird.“

Bewertung der Stücklisten als erster Schritt

Was also tun? „Ein wichtiger erster Schritt im Obsolescence-Management ist die Durchsicht und Bewertung der Stücklisten auf möglicherweise obsoleszenz-gefährdete Bauteile Diese werden dann herausgefiltert und in bestimmten, festgelegten Zyklen überwacht“, erklärt Ermel. Wie oft die einzelnen Komponenten neu bewertet werden müssen, hänge laut COG-Vorstand unter anderem von der Art der Komponenten ab, aber 100prozentige Sicherheit werde es wohl nie geben“.

Langzeitlagerung von Komponenten

In manchen Fällen empfehle es sich laut Ermel, frühzeitig über eine Langzeitlagerung von Komponenten nachzudenken. „Entweder man vereinbart dafür mit einem Distributor Langzeitliefervereinbarungen, man kann das über die Jahre hinweg benötigte Material aber auch bei einem EMS-Dienstleister oder Spezialunternehmen einlagern. Ein hohes Maß an Sicherheit hat allerdings seinen Preis. In diesem Fall ist es eine hohe Kapitalbindung.“ Hilfreich können auch Tools für die Überwachung der Bauteileverfügbarkeit oder Dienstleistungen wie die Suche nach oder das Klonen von obsolenten Bauteilen auf dem Weltmarkt sein, aber meist ist es am Ende eine ganze Palette von Werkzeugen, die für ein erfolgreiches und nachhaltiges Obsolescence-Management notwendig sind. „Die frühzeitige Information der Kunden bei drohender Abkündigung durch den Hersteller, die gemeinsame Erarbeitung von Substituten von COG-Mitgliedern oder ein eventuell von mehreren Kunden gemeinsam initierter Lageraufbau für den vorausichtlichen Allzeitbedarf – all das sind letztlich immer nur einzelne Mosaiksteine eines großes Gesamtwerkes. Letzten Endes ist Obsolescence-Management ein dynamischer, nie endender Prozess. Wer das verstanden hat, ist zumindest schon mal auf einem guten Weg.