Eine erweiterte Testumgebung für Industrietechnologien

Bild: Smart Systems Hub GmbH

Im Rahmen einer Pressekonferenz auf der Hub:Disrupt 2026 im Dresdner Ostra-Dome stellte der Smart Systems Hub gemeinsam mit Vertretern von Next Level Mittelstand, SAP, VDI, Smart Factory KL und NTT Data das neue Industry Lab vor. Dafür erweitert der Smart Systems Hub seine bestehende Learn-&-Explore-Umgebung gemeinsam mit Technologiepartnern wie SAP um Datenökosysteme, Industrial AI, Robotik, Retrofit-Lösungen und IT-/OT-Integration. In der interoperablen Testumgebung können Unternehmen erproben, wie Software, Datenräume und Hardware über Hersteller- und Systemgrenzen hinweg zusammenarbeiten.

Wie mitgeteilt wird, richtet sich das Angebot insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen, die neue Technologien testen möchten, ohne dafür eigene Versuchsumgebungen aufbauen zu müssen. Sie können konkrete Herausforderungen aus ihrer Produktion einbringen, Lösungsansätze erproben und geeignete Technologiebausteine anschließend kontrolliert in ihre bestehenden Systeme übertragen. Neben einem stationären Labor sind ein mobiles Pop-up-Testbed, ein virtueller Raum und digitale Einstiegsmöglichkeiten vorgesehen.

„Eine Technologie kann technisch funktionieren und trotzdem am konkreten Bedarf eines Unternehmens vorbeigehen“, sagte Michael Kaiser, Geschäftsführer des Smart Systems Hub. „Deshalb prüfen wir im Industry Lab den Technologie-Fit gemeinsam mit dem Use Case, dem erwarteten Geschäftswert und der Umsetzbarkeit. Unternehmen sollen früh erkennen können, ob eine Lösung für ihre Produktion geeignet ist und sich wirtschaftlich betreiben lässt.“

Wie weiter betont wird, treffen gerade im Mittelstand kurze Innovationszyklen auf begrenzte personelle und finanzielle Ressourcen. „Die Vielzahl an Technologien, Plattformen und Anbietern erschwert es Unternehmen, belastbare Investitionsentscheidungen zu treffen“, erklärte Martin Schimmel, Director Business Development bei Next Level Mittelstand. „Sie brauchen einen einfachen Zugang zu realistischen Tests und Lösungen, die sich in vorhandene Systeme einfügen.“

Einen Schwerpunkt des Industry Lab bildet Industrial AI. „Industrielle KI verlässt zunehmend die Experimentierphase“, sagte Ralf Vath, Senior Vice President bei SAP. „Ihr Einsatz setzt jedoch strukturierte und vertrauenswürdig nutzbare Daten voraus. Ebenso wichtig ist die sichere Anbindung an ERP-, MES-, Edge-, Maschinen- und Datenraumarchitekturen. In einer realistischen Testumgebung lässt sich dieses Zusammenspiel vorab überprüfen.“

Viele Grundlagen für vernetzte Produktionssysteme seien bereits vorhanden. Nun komme es auf ihre Anwendung in der Breite an. Christian Lindemann vom VDI-Transfernetzwerk Industrie 4.0, Digitalisierung und Mobilität betonte: „Standards, Modelle und Referenzarchitekturen müssen schneller in den industriellen Alltag gelangen. Reallabore verkürzen diesen Weg, weil Unternehmen, Verbände und Forschung dort Konzepte gemeinsam unter Praxisbedingungen erproben können.“

Dabei müssen Testumgebungen die heterogene Struktur industrieller Anlagen abbilden. „In der Produktion treffen Systeme unterschiedlicher Hersteller und Generationen aufeinander“, sagte Stephan Hamm, Senior Consultant Technology bei Smart Factory KL. „Interoperabilität darf deshalb nicht erst beim Rollout geprüft werden. Sie gehört von Beginn an in den Test – ebenso wie die Frage, wie sich verschiedene Reallabore und Modellfabriken sinnvoll ergänzen können.“

Weiter erklären die Beteiligten, dass auch ein erfolgreicher Proof of Concept noch keinen stabilen Produktivbetrieb garantiert. „Betrieb, Security, Governance, Schnittstellen und Datenflüsse müssen bereits bei der Entwicklung berücksichtigt werden“, erklärte Mirko Paul, Senior Advisor bei NTT Data. „Das Industry Lab bietet die Möglichkeit, neben der technischen Funktion auch die Integrations- und Betriebsfähigkeit zu testen. Ziel sind wiederverwendbare Architekturen, die sich über weitere Maschinen, Anwendungen oder Standorte skalieren lassen.“

Der Smart Systems Hub plant für das Industry Lab eine offene, anschlussfähige Architektur auf Basis etablierter Industriestandards und ausgewählter Open-Source-Komponenten. Gemeinsam mit dem VDMA soll zudem ein strukturiertes Schulungsprogramm entstehen, das Unternehmen vom ersten Test bis zum Aufbau eigener methodischer Kompetenzen begleitet.