
Verlässliche Forecasts würden angesichts der hohen Marktdynamik zunehmend schwieriger. Gleichzeitig sieht Sachse auch in Deutschland und Österreich weiteres Wachstumspotenzial, sofern Vertriebsstrukturen und -konzepte entsprechend angepasst werden. Besonders schnell entwickelt sich derzeit das Thema KI. Das Momentum sei inzwischen so groß, dass Entwicklungsbereiche teilweise bewusst bremsen müssten, um neue Möglichkeiten sinnvoll in Produkte und Prozesse zu überführen. Gleichzeitig steige der Bedarf an Automatisierung – und damit an Steuerungs-, Antriebs- und Robotiklösungen. „Veränderungen sind Katalysatoren für Innovationen“, fasste Sachse die Entwicklung zusammen. Dazu passend verwies B&R auf sein in den vergangenen Monaten erweitertes Mechatronik-Portfolio sowie neue KI-gestützte Automatisierungssoftware.

Flexible Bewegung statt starrer Mechanik
Wie sich neue Maschinenkonzepte daraus ableiten lassen, zeigte sich insbesondere bei den zahlreichen Demonstratoren. Ein Beispiel war Acopos6D. Das magnetische Transportsystem bewegt sog. Shuttles mit sechs Freiheitsgraden über Motorsegmente und ermöglicht damit nicht nur klassische Transportbewegungen, sondern auch das Heben, Senken, Drehen und Neigen von Werkstücken. Mehr Spielraum beim Maschinendesign schaffen neue Möglichkeiten bei der Anordnung der Motorsegmente. Diese können mit Lücken und Offset positioniert werden; zudem lassen sich unterschiedliche Formen und zwei verschiedene Serien kombinieren. Damit muss das Transportsystem nicht mehr einem weitgehend starren Raster folgen, sondern kann stärker an die jeweilige Maschine und den Prozess angepasst werden. B&R betrachtet dabei nicht nur die Hardware. Softwaretools wie Launchpad, Mapp und Monitor sollen Maschinenbauer vom Design über das Engineering bis zur Inbetriebnahme unterstützen. In der gezeigten Anwendung kam zudem Agentic AI zum Einsatz: Aufgaben im Engineering lassen sich damit über entsprechende Anweisungen bearbeiten, ohne dass der Anwender selbst Programmcode schreiben muss. Gerade dieses Zusammenspiel von Mechatronik, Software und KI zeigte, wohin sich das Engineering künftig entwickeln könnte.
Cybersecurity wird zur Konstruktionsaufgabe
Den zweiten Veranstaltungstag prägte die Cybersicherheit. Thomas Pfeiffer von Council.at zeigte in seiner Keynote, wie Cyber Resilience Act (CRA), NIS-Regelungen, Maschinenverordnung, RKE-Gesetz und DSGVO ineinandergreifen. Die ISO/IEC27001 bietet dabei einen möglichen organisatorischen Rahmen zur Umsetzung. Seine Botschaft an Maschinenbauer und Betreiber: Die regulatorischen Anforderungen sollten nicht erst dann angegangen werden, wenn die jeweiligen Pflichten unmittelbar greifen.
Besondere Bedeutung bekommt Cybersecurity mit der Maschinenverordnung. Mit ihrem Geltungsbeginn am 20. Januar 2027 werden auch Manipulationen sicherheitsrelevanter Hard- und Software stärker Bestandteil der Risikobetrachtung. Damit entwickelt sich Cybersecurity endgültig von einem überwiegend IT-seitigen Thema zu einer Aufgabe, die bereits bei Konstruktion und Entwicklung einer Maschine berücksichtigt werden muss.
Wie dies auf Produktebene umgesetzt werden kann, erläuterte Gregor Auer anhand der Cybersecurity-Strategie von B&R. Das Unternehmen hat die IEC62443 in seine Entwicklungsprozesse integriert und diese entsprechend zertifizieren lassen. In einer praxisnahen Demonstration wechselte Auer zwischen den Rollen eines Angreifers sowie eines Sicherheitsverantwortlichen und zeigte so typische Angriffswege sowie mögliche Gegenmaßnahmen. Am Beispiel von Secure Boot wurde zudem deutlich, wie sich bereits beim Start eines Systems überprüfen lässt, ob ausschließlich authentische und unveränderte Software ausgeführt wird.
Damit spannte Passion4Automation den Bogen von neuen mechatronischen Maschinenkonzepten über KI-unterstütztes Engineering bis zur Cybersecurity. Gerade die zahlreichen Demonstratoren machten deutlich, dass diese Themen zunehmend zusammenwachsen: Flexiblere Hardware allein reicht nicht aus. Entscheidend wird vielmehr das Zusammenspiel aus Mechanik, Automatisierungssoftware, Engineering, KI und Security über den gesamten Lebenszyklus einer Maschine.














