Eingebettete Intelligenz mit differierenden Leistungen
Entscheidend wird die Unterstützung für das IoE durch entsprechende Halbleiter sein. Denn es sollte nicht unterschätzt werden, wie viel eingebettete Intelligenz nötig sein wird, um die möglicherweise in die Milliarden gehende Zahl vernetzter Geräte zu realisieren. Dieser Bedarf ist jedoch an bestimmte Anforderungen geknüpft, denen sich Anbieter aktuell widmen. Als Besonderheit des Medizintechnik-Markts decken die Verarbeitungsanforderungen ein Spektrum ab, das von extrem hoher Leistung für bildgebende Medizintechnik bis zu extrem geringer Verlustleistung für oral aufnehmbare Sensoren reicht – mit sämtlichen Abstufungen dazwischen. Kein anderer vertikaler Sektor wird derart breit gefächerte Verarbeitungsanforderungen an Geräte zum Anschluss an das IoE stellen. Ein Beispiel dafür, wie sich die Halbleiterhersteller diesem im Entstehen begriffenen Markt stellen, sind die Prozessoren der Quark-Familie von Intel. Diese sind für das IoT vorgesehen und weisen zugunsten geringerer Leistungsaufnahme Abstriche an der Grafikverarbeitung auf, halten sich aber an den x86-Befehlssatz. Konkurrenz kommt in dieser Hinsicht von ARM-basierten Bausteinen, wie sie beispielsweise Freescale Semiconductor, STMicroelectronics, Texas Instruments und anderen Unternehmen entwickeln. Ungeachtet der großen Verbreitung der ARM-Architektur bei den Halbleiteranbietern muss Intel jedoch die kohärentere IoT-Strategie bescheinigt werden. Diese entspringt der Kombination der Intel-eigenen Prozessoren mit dem erst vor kurzer Zeit aufgekauften Embedded-Software-Spezialisten Wind River und McAfee, einem Experten für Internet-Sicherheit. Gemeinsam versprechen diese Produkte und Services die Bereitstellung einer überzeugenden Plattform für OEMs, die IoE-Applikationen auf schlüsselfertiger Hardware wie dem Computer-On-Module (COM) entwickeln. Das conga-QA3 mit Intel Atom Prozessor (Codename: ‚Bay Trail‘) basiert auf dem Qseven-Modulstandard und ist für die Intel Gateway Solutions für das IoT zertifiziert. Es zeigt, wie die Kombination zuverlässiger Hardware mit einem konsistenten Softwarepaket eine Vertrauensbasis für die Entwicklung sicherer IoT-Anwendungen schafft. Durch das Bundling einer Basisplatine, auf der sich ein Trusted Platform Module-Chip (TPM) befindet, hilft congatec zu gewährleisten, dass Applikationen mit hoher Datensicherheit verarbeitet werden können.
Gateway-Lösungen für Sens-troller verschiedener Anbieter
Große Halbleiterunternehmen und auch Systemintegratoren arbeiten inzwischen aktiv an der Entwicklung von Gateway-Lösungen für das IoT. In einer vernetzten Infrastruktur existieren diese Gateways bereits, doch im IoE werden sie eine andere Funktion haben. Sie werden hier als Schnittstelle zu einem breiteren Spektrum von Geräten – nämlich den Senstrollern – benötigt, die von unterschiedlichen Anbietern kommen, verschiedene Protokolle unterstützen und verschiedenartige Dienste bereitstellen. Diese Vielfalt an Knoten verlangt nach einem Gateway, das für mehrere Interfaces geeignet ist, die unter Umständen nicht unter den ‚traditionellen‘ Internet-Protokollen laufen, gleichwohl aber nach hoher Dienstqualität verlangen. Ein großer Teil des Nutzens des IoE u.a. im Bereich neuer Healthcare-Dienste soll in dieser Klasse von Geräten – den intelligenten Sensoren – erzielt werden. Dabei sollte allerdings nicht übersehen werden, dass viele der heutigen speziellen medizinischen Geräte, z.B. Röntgen- und MRT-Systeme, möglicherweise bereits vernetzt sind. Wenn man die Zugriffsmöglichkeiten auf diese lebenswichtigen Geräte erweitert, verlangt dies nach einem höheren Maß an Sicherheit im Internet, das heißt also in einer Infrastruktur, die von ihrem Wesen her offen gestaltet ist.
Sensoren in Wohnung, Kleidung und Körper
Angesichts der spezifischen Anforderungen, die er an die Halbleiterindustrie stellt, birgt der Markt für medizinische Geräte im Kontext des IoE ein enormes Potenzial. Schließlich ist allgemein bekannt, dass nicht nur die Zahl der Menschen wächst, sondern dass diese Menschen außerdem immer länger leben. Dies ist weitgehend den Fortschritten im Bereich der traditionellen Medizin zuzuschreiben. Die Verlängerung des Lebens aber wird sich in Zukunft noch mehr auf die Healthcare-Technologie stützen. Der Home-Healthcare-Markt wird prinzipbedingt an das IoE angebunden sein. Wohnungen und Kleidungsstücke und sogar Körper werden mit immer mehr Sensoren bestückt, um in immer größerem Umfang Informationen über unsere körperliche Verfassung einzuholen. Wahrscheinlich wenden die Menschen zukünftig verstärkt Präventivmaßnahmen an, um ihre Gesundheit länger zu erhalten. Schon jetzt existiert ein großer Markt für Produkte, mit denen Sportler ihren Trainingsfortschritt überwachen und aufzeichnen können. Diese Technik dürfte wahrscheinlich auf normale Alltagsaktivitäten übertragen werden, um das allgemeine Wohlbefinden zu messen. Dies bedeutet unweigerlich, dass diese Geräte zum Bestandteil der datenorientierten Ader des IoE werden. Sobald sie jedoch vollständig in unser Alltagsleben integriert sind, werden sie auch steuerungsorientiert sein. Keineswegs utopisch ist, wenn künftig Küchengeräte Lieblingsspeisen vorbereiten, weil die Körpersensoren eine unter dem Normalwert liegende Kalorienzufuhr oder eine übermäßige Schrittzahl gemeldet haben. Dies hätte nicht von der Hand zu weisende Vorteile für die Gesundheit. Es ist davon auszugehen, dass über das Body Area Network hinaus weitere gewissermaßen ‚intimere‘ Sensoren zum täglichen Tagesablauf gehören. Eines Tages könnte sich die Badezimmerwaage erübrigen, wenn stattdessen oral aufnehmbare oder implantierbare Sensoren ein Auge auf das Gewicht haben und die betreffende Person – oder Leistungserbringer in Sachen Gesundheit – über wichtige Änderungen der körperlichen Verfassung informieren. Diese Daten nutzen nicht zuletzt der Versicherungswirtschaft. Schließlich existieren bereits Geräte, die die Fahrweise von Autofahrern überwachen können, sodass Versicherungen den guten Fahrern günstigere Tarife einräumen können. So etwas gibt es sehr wahrscheinlich bald auch für Krankenversicherungen. Das Internet of Everything ist ein Konzept von gigantischen Ausmaßen, doch hinsichtlich der Infrastruktur-Anforderungen ist der medizinische Teilbereich wohl komplexer. Der Datenschutz, der Zugriff auf Patientendaten und die Kontrolle medizinischer Geräte müssen berücksichtigt werden, damit sich das Potenzial dieses Markts ausschöpfen lässt.

















