Beispielimplementierung
Das im Beispiel dargestellte 3D-Modell (Bild 2) kann ausschließlich über Multi-Touch-Gesten manipuliert werden. Die Implementierung erlaubt den Vergleich der in den vorhergehenden Kapiteln vorgestellten Bedienkonzept in Form von Anwendungsmodi. Das 3D-Modell wurde um drei Achsen erweitert, um die aktuelle Orientierung des angezeigten Objektes im Raum darzustellen (grün = Y-Achse, rot = X-Achse, blau = Z-Achse). Das Programm ist eine C#-Anwendung, in dem mit Hilfe der Windows Presentation Foundation (WPF) des Microsoft .NET Frameworks die Touch-Events durch die integrierte Touch-API erfasst werden. Die Gestenerkennung wird in einer eigenen Klasse realisiert. Hierfür wurde ein eigenes Modell implementiert, um anhand verschiedener Bewegungsvektoren der einzelnen Finger entscheiden zu können, welche Geste der Benutzer ausführt. Nach dem Erkennen einer Geste werden einige Skalierungsfaktoren angewandt und anschließend das 3D-Modell bewegt. Das 3D-Objekt wird mit Hilfe von OpenGL in Form eines eigenen Steuerelements direkt in WPF integriert.
Evaluation der Bedienkonzepte
Mit Hilfe der Beispielimplementierung wurden Benutzerbefragungen durchgeführt. Die Probanden bewerteten die Intuitivität, die Präzision und das Ansprechverhalten der verschiedenen Konzepte. Außerdem sollten sie bestimmte Rotationen mit dem Objekt durchführen. Dabei wurde die benötigte Zeit und Anzahl der benötigten Gesten festgehalten. Das erste Konzept wurde von den Benutzern durchgehend als eine solide Möglichkeit beschrieben, relativ einfach mit dreidimensionalen Objekten umzugehen. Die Lösung hat den Nachteil, dass durch die fehlende Achsenwahl bei komplexeren Rotationen mehrere Drehungen hintereinander durchgeführt werden müssen. Das zweite Konzept ist gegenüber den beiden anderen Konzepten das präziseste Bedienkonzept. Es liefert unabhängig von der Komplexität der Aufgabenstellung gute Ergebnisse. Jedoch wurde es nicht als intuitiv empfunden. Die Benutzer äußerten Bedenken, dass die Bedienung mit beiden Händen erfolgen muss und daher schwierig in den Alltag zu integrieren sei. Das dritte Konzept bietet eine sehr intuitive Bedienung mit nur befriedigender Genauigkeit, die gerade bei einfachen Rotationen im Vergleich zu den anderen beiden vorgestellten Konzepten deutlich wird. Dafür kommt man bei komplexeren Rotationen schneller zum Ziel und muss durch die freie Achsenwahl keine Umwege über mehrere Rotationen machen. Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich alle drei vorgestellten Bedienkonzepte für die Bedienung eines 3D-Objekts eignen und jedes seine spezifischen Vor- und Nachteile mit sich bringt.
Fazit und Ausblick
Die untersuchten Bedienkonzepte für die Manipulation von 3D-Objekten via Multi-Touch-Eingabe unterscheiden sich stark bezüglich Bedienkomfort und Genauigkeit. Für die Auswahl des am besten geeigneten Bedienkonzeptes ist es notwendig, die genauen Arbeitsabläufe innerhalb der geplanten Anwendungsumgebung zu definieren und hinsichtlich deren Anforderungen an die Genauigkeit zu untersuchen. Grundlegend ist es wichtig, ein durchgängiges Konzept für gleichartige Anwendungsbereiche zu wählen, um die Akzeptanz von Multi-Touch-Eingabeverfahren bei den Anwender zu erhöhen und vor allem auch um Bedienfehler zu vermeiden.

















