
Mit generativer künstlicher Intelligenz können Auszubildende Aufgaben lösen, die eigentlich auf Hochschulniveau liegen. Das zeigt eine neue Studie des Ifo-Instituts mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), der Technischen Universität München (TUM) und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Die Forschenden testeten in einem Feldexperiment angehende IT-Fachkräfte an zwölf Berufsschulen in sechs Bundesländern.
Mit ChatGPT holten die Azubis bei Aufgaben auf Hochschul-Niveau rund 70% der möglichen Punkte, ohne KI rund 41%. „KI unterstützt junge Fachkräfte dabei, ein breiteres Aufgabenspektrum zu bearbeiten“, sagt Ifo-Forscherin Christina Langer. „Das gilt auch für Aufgaben, die über den normalen Lehrplan hinausgehen und normalerweise studierte Software- und Netzwerkingenieure erledigen.“
Auch bei Aufgaben auf dem Niveau der Abschlussprüfung der Berufsausbildung half die KI. Hier steigerten die Azubis ihren Anteil an den möglichen Punkten von rund 22 auf rund 66%. „Viele Azubis ohne KI versuchten die schwersten Aufgaben gar nicht erst. KI hilft gerade dort am meisten, wo die Azubis allein nicht weiterkommen“, sagt Mitautor Philipp Lergetporer von der Technischen Universität München, Heilbronn Campus.
Besonders gut schnitten in der Untersuchung Azubis ab, die ihre KI-Kompetenzen beim Arbeiten und Lernen höher einschätzen. Wie die Studienverantwortlichen erläutern, bringen sich die Azubis diese Fähigkeit bisher meist selbst bei. Zwar geben 84% der befragten Azubis an, KI bereits in der Berufsschule zu nutzen. Doch nur 16% von ihnen sagen, dass dort der richtige Umgang mit KI vermittelt werde.
Wie die Autorinnen und Autoren weiter mitteilen, litt das eigene Verständnis der Azubis nicht durch den Einsatz von KI. Direkt nach jeder Aufgabe beantworteten alle Teilnehmenden Fragen zum Inhalt ohne Hilfsmittel. Die Gruppe mit KI schnitt dabei nirgends schlechter ab, oft sogar besser. „Die Auszubildenden lösen mit KI mehr Aufgaben, ohne dass sich unmittelbar danach signifikante Nachteile beim Verständnis zeigen. Ob die Leistungssteigerungen tatsächlich ohne Einbußen beim Verständnis einhergehen und das Gelernte langfristig erhalten bleibt, muss weitere Forschung klären“, sagt Mitautorin Hanna Brosch von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.
Zur Methodik: Die Forschenden führten von Oktober 2025 bis Januar 2026 ein Feldexperiment im regulären Unterricht an den Berufsschulen durch. Teilnehmende waren 673 angehende Fachinformatikerinnen und Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung und Systemintegration im letzten Ausbildungsjahr. Ein Kartenlos teilte sie zufällig in zwei Gruppen. Eine Gruppe arbeitete mit ChatGPT Pro und Internet, die andere ohne Internet, wie derzeit in Prüfungen üblich. Alle bearbeiteten vier Aufgaben: einen Vortest, eine Aufgabe auf Prüfungsniveau und zwei Aufgaben auf dem Hochschulniveau von Software- und Netzwerkingenieuren.













