„Lesbarkeit und Wartbarkeit erhöhen“

„Lesbarkeit und Wartbarkeit erhöhen“

Als Universitätsprojekt begonnen, hat AdaCore inzwischen seinen Sitz in New York und Paris. Das im Jahr 1994 gegründete Unternehmen bietet Open Source Tools und Kompetenz für die Entwicklung von missionskritischer, sicherheitskritischer und zuverlässiger Software. embedded Design sprach mit Johannes Kanig, Senior Software Engineer bei AdaCore, über die aktuelle Version der Software.

embedded Design: Die Programmiersprache Ada hat ihren Ursprung in den 1970er Jahren, in diesem Jahr ist die Version Ada 2012 erschienen. Entstanden im Auftrag des amerikanischen Verteidigungsministeriums galt es, spezielle Anforderungen zu erfüllen. Welche Anforderungen musste die Sprache ursprünglich erfüllen und wie hat sie sich entwickelt?

Johannes Kanig: Zunächst galt es, eine High-Level-Sprache zu entwickeln, also ein relativ hohes Abstraktionsniveau zu bieten. Die Sprache sollte zudem gut lesbar sein, und auch die Wartbarkeit von Software galt es zu verbessern. Dies lässt sich durch gute Lesbarkeit erreichen, aber auch durch die Fähigkeit, typische Fehler so früh wie möglich zu entdecken oder auszuschließen. Die Programmiersprache musste gleichzeitig eine modulare Entwicklung von Software erlauben, die Wiederverwendung von Komponenten vereinfachen und die Programmierung von parallel zu erledigenden Aufgaben ermöglichen, so genannte Tasks. Außerdem sollte sie möglichst unabhängig von der Umgebung, also von Betriebssystem oder Prozessortyp, sein. Dies trifft auch auf parallele Tasks zu. Um konkurrierende Dialekte der Sprache zu vermeiden, standardisierte die ISO im Jahr 1983 die erste Version der Sprache, Ada 83. Gleichzeitig wurde eine umfassende Testsuite, die Ada Conformity Assessment Test Suite (ACATS), entwickelt, mit der Compiler-Entwickler überprüfen können, ob ihr Compiler dem Standard entspricht. Seither wurde Ada weiterentwickelt, um den Anforderungen der Benutzer, insbesondere im sicherheitskritischen und Embedded-Bereich, gerecht zu werden. So gestattet seit 1995 die Version Ada 95 Anwendern, objektorientiert zu programmieren. Ada 2005 fügte eine umfangreiche Container-Bibliothek hinzu. Und schließlich bietet Ada 2012 neue Funktionen, die Lesbarkeit und Wartbarkeit weiter erhöhen.

embedded Design: Wodurch unterscheidet Ada sich von anderen vergleichbaren state-of-the-art Programmiersprachen?

Kanig: Im Vergleich zu anderen Sprachen zeichnet sich Ada u.a. durch eine weitgehende Typisierung aus. Zudem besteht die Möglichkeit, Wertebereiche für numerische Variablen anzugeben. Das lässt sich einerseits vom Compiler ausnutzen, um schnelleren oder kompakteren Code zu erzeugen. Andererseits kann der Wertebereich auch während der Ausführung überprüft werden. Insgesamt führt das zu erhöhter Lesbarkeit des Programms, da es mehr Informationen enthält, und zu besserer Wartbarkeit. Denn wenn eine solche Variable ihren Wertebereich verlässt, handelt es sich um einen Bug entweder im Programm selbst oder in der Erwartung des Programmierers. Es besteht noch eine Reihe anderer Checks oder Überprüfungen zur Laufzeit, die ähnlich wie die eben beschriebenen Wertebereiche funktionieren.

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AdaCore
www.adacore.com

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