17. August 2012

Qualitätsmanagement als Lifecycle-Disziplin

Produkte und Dienstleistungen werden immer intelligenter und die Innovationszyklen verkürzen sich. Das Risiko, dass Fehler in der Programmierung gravierende Auswirkungen haben können, steigt rasant. Dabei ist es ein gravierender Unterschied, ob ein Softwarefehler bewirkt, dass eine Layoutfunktion in einem Textverarbeitungsprogramm nicht funktioniert, oder ob er dazu führt, dass sich ein Flugzeug nicht mehr sicher landen lässt.
Software etabliert sich immer mehr zu einem unentbehrlichen Baustein der heutigen Zeit. In gleichem Maß steigt die Komplexität intelligenter Produkte und Systeme. Zudem zeigt sich eine noch nie dagewesene Konnektivität zwischen Systemen, Prozessen und Infrastruktur. Daraus ergeben sich weitreichende Konsequenzen für eine wirksame und gleichzeitig wirtschaftlich vertretbare Qualitätssicherung. Eine Untersuchung von Capers Jones vom August 2011 belegt, dass Software mehr wirtschaftliche Probleme verursacht als jedes andere von Menschen hergestellte Produkt. Weiterhin stellt das Marktforschungsinstitut fest, dass unzureichende Softwarequalität für hohe Verluste verantwortlich ist: jedes Jahr geschätzt über 500 Milliarden US-Dollar weltweit. Qualität kann jedoch nicht nachträglich in ein Produkt hineingetestet werden. Dennoch wird in vielen Projekten ein sehr eingeschränktes Verständnis von Qualitätsmanagement deutlich. In der Testphase zwischen Entwicklungs- und Produktfreigabe scheint es eine Art Naturgesetz zu sein, dass sich der erste Zeitpunkt nach hinten verschiebt, während der Zeitpunkt der Marktfreigabe unverrückbar in Stein gemeißelt ist, sodass für die Tests immer weniger Zeit bleibt.

Vom Test zum Application Lifecycle Management

Unter ‚Testen‘ ist die technische Untersuchung des Prüfgegenstandes zu verstehen mit dem Ziel, qualitätsrelevante Informationen zu erheben. Mehr Testen bedeutet jedoch zunächst nur, dass man mehr Fehler findet; eine Verbesserung der Qualität ist damit noch nicht erreicht. Allerdings umfasst Qualitätsmanagement nicht nur Tests, sondern auch, dass Qualität bereits während des Entstehungsprozesses in ein Produkt eingebracht wird. Dadurch lässt sich im besten Fall verhindern, dass Fehler überhaupt entstehen. In dem Maße wie ein Unternehmen einen gewissen Reifegrad erreicht und dabei die Softwareentwicklungsprozesse definiert, verfeinert und optimiert, setzt sich die Erkenntnis durch, dass Tests nicht alles sind, um ein akzeptables Qualitätsniveau zu erreichen. Abbildung 1 zeigt ein übliches Reifegradmodell mit fünf Stufen von chaotisch bis optimiert. Im oben genannten Beispiel befindet sich ein Unternehmen etwa im Übergang von Stufe 2 zu Stufe 3. Hier tritt erstmalig der Teamgedanke auf. Denn wirksame Qualitätssicherung bedarf effektiver Zusammenarbeit. Mit einer Application Lifecycle Management-Umgebung (ALM) erhalten Teams vielfältige Möglichkeiten, gemeinsam an Aufgaben zu arbeiten, Schnittstellenprobleme zu minimieren und Grenzen zwischen Entwicklungsdisziplinen zu überwinden. Eine zukunftsfähige ALM-Umgebung sollte dabei so angelegt sein, dass sie eine Organisation beim Erreichen der nächsthöheren Stufe im Reifegradmodell unterstützt. Dabei sollte sie Unternehmen ab jeder der fünf Stufen begleiten.

Teamarbeit ermöglichen

Allerdings erweist es sich als schwieriger, die notwendige Qualität einzubauen, wenn gleichzeitig immer weniger Zeit dafür zur Verfügung steht. Agile Ansätze bieten eine Möglichkeit, diesen Konflikt zu lösen. Diese Ansätze berücksichtigen gleichzeitig die gängigste Definition von Qualität: Die Idee, genau das zu liefern, was Kunden erwarten. Dies erreichen Entwickler, indem sie in kurzen Abständen (Iterationen) überprüfen, ob sich die Entwicklung in diese Richtung bewegt, mit dem Ergebnis, dass das Produkt exakt den Anforderungen entspricht. Das Application Lifecycle Management koordiniert die Aktivitäten und Artefakte des Entwicklungszyklus, von den Anforderungen über Design und Entwicklung, Projektmanagement, Änderungs- und Konfigurationsmanagement bis hin zum Qualitätsmanagement. ALM bietet eine Möglichkeit, verteilte Arbeitsgruppen und Disziplinen in einem Projektteam zusammenzubringen. Dazu benötigen Unternehmen jedoch die passenden Werkzeuge, um das notwendige Maß an Zusammenarbeit zwischen Spezialisten und Lokationen zu erreichen. Für ein durchgängiges Qualitätsmanagement ist zudem jeder der fünf sogenannten ALM-Imperative relevant: Zusammenarbeit im Kontext, Real-time Planung, Verfolgbarkeit über den gesamten Lebenszyklus, Entwicklungsintelligenz und Kontinuierliche Verbesserung.

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Ausgabe:
www.ibm.de

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